Indigene Stämme und Völker Nordamerikas

Die Plains

Die Sioux

Sie nannten sich selbst "Da coh tah" (Freund, Verbuendeter), von ihren Erbfeinden, den Chippewas, erhielten sie den Namen "Nadoweis siw" (Schlangen, Feinde), was letztendlich im Laufe der Zeit zu Sioux wurde. Die anfaenglich durch den Besitz von Feuerwaffen, die sie von den Franzosen erhielten, überlegenen Chippewa draengten die Sioux nach Westen. An den Ufern des Missouri kamen sie erstmalig um 1750 in Besitz von Pferden und entwickelten sich daraufhin in kurzer Zeit zu einem der groessten und gefuerchtetsten Reitervölker der noerdlichen Plains.

Eine Sioux-Familie beim Umzug

Waehrend verschiedene Stammesgruppen der Sioux sich neben der Bueffel-jagd auch weiterhin die alte Ackerbauerkultur pflegten, wandelten sich die Teton-Sioux zu reinen Bueffeljaegern, die sich vehement gegen das Vordringen der Weissen aus dem Osten wehrten, die mit ihren Trecks und dem Eisenbahn-bau die Bueffelwanderung empfindlichst stoerten.

Der Bison - Grundlage der Plainskultur

Ohne Sinn für persoenliches Eigentum (Pferde, Waffen und Zelte ausge-schlossen), drehte sich das Leben der Sioux stets um das Reale und Spirituelle gleichzeitig. Sie glaubten, dass das Leben einen Sinn habe, nicht aber zweck-gebunden sei. Aus diesem Grunde fehlte den Sioux jegliches Verstaendnis für die Weissen, die Besitz als wesentlichen Lebensinhalt betrachteten. Für die Sioux war die Freiheit der Natur, der Erde und des Himmels unantastbar, sie konnten nicht verstehen, wie man Land besitzen konnte.

Der Sioux Jumping Thunder auf einem Foto aus dem Jahre 1858 - einer Zeit, in der es noch nicht viele Weiße im Indianerland gab.

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"Wie kann ich die Luft, die ich atme, den Boden, ueber den ich reite, die Blaetter eines Baumes, die im Wind rascheln, wie kann ich einen Teil des Windes, einen Teil der Wolken, einen Teil der Erde als etwas erklaeren, das nur mir allein gehoert?" (Red Cloud).

Red Cloud

Zwischen den USA und den Sioux wurden zahlreiche Vertraege geschlossen, die von Seite der Amerikaner immer wieder gebrochen wurden. Das fuehrte zu andauernden Kaempfen, in denen die Indianer meist aufgrund ihrer Bewaffnung im Hintertreffen waren. Der erste grosse Aufstand der Sioux fand 1862 unter Haeuptling Little Crow statt. Mehr als 1000 Weisse wurden dabei getoetet. Der Aufstand wurde von der Armee niedergeschlagen und es kam zu einem Prozess, bei dem 38 Sioux zum Tode verurteilt und am 28.12.1862 oeffentlich hingerichtet wurden.

Oglala-Sioux bei einer Vertragsunterzeichnung

Im weiteren Verlauf entpuppten sich alle Vertraege als nichtig. Die Union Pacific Bahn wurde durch das Indianerland gebaut und in der Folge kam es zum Abschlachten der Bueffel. Weiters wurde eine Fortkette im Land der Sioux errichtet und die Truppen wurden verstaerkt. Die Haeuptlinge Red Cloud, Crazy Horse, Spotted Tail, Gall, Sitting Bull und viele andere fuehrten ab diesen Zeitpunkt den totalen Krieg. Der Red Cloud Krieg brachte es mit sich, dass im Frieden von Laramie 1865 den Sioux ihr Land auf ewige Zeiten garantiert wurde. Aber schon kurze Zeit spaeter marschierte die Armee in das Land ein und errichtete eine Kette von Forts. Daraus resultierten einige spektakulaere Kaempfe: 1866 das Fetterman Massaker bei Fort Phil Kearney, 1867 der Wagonbox Fight und der Hayfield Fight, 1868 Beecher Island, Battle of the Tongue und der Crazy Woman Fight.

Ein Kriegstrupp in den Plains

1869 erkannte Red Cloud die Wirkungslosigkeit dieser Kaempfe und reiste bis 1872 immer wieder nach Washington, um die amerikanische Oeffentlichkeit über die Vertragsbrueche der Regierung und der Armee zu informieren. Von der oeffentlichen Meinung im Osten, die pro-indianisch war, bedraengt, geraten die Regierung und die Armee in Verlegenheit. Dann wurde Custer 1874 in die Black Hills geschickt und entdeckte dort Gold. Goldsucher über-schwemmten nun die heiligen Berge der Dakota. Diese hielten sich vorerst an die Vertraege, dennoch wurde die Armee gegen sie eingesetzt. 1876 kam es zur Schlacht am Rosebud, wobei General Crook so geschlagen wurde, dass er Verstaerkung abwarten musste, bevor er seinen Marsch fortsetzen konnte.

American Horse - einer der Kaempfer gegen Custer

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Einige Tage spaeter wurde George Armstrong Custer mit dem 7. US-Kavallerie Regiment am Little Big Horn von den vereinigten Staemmen der Sioux, Cheyenne und Arapaho komplett aufgerieben, nachdem er einen Befehl seines Vorgesetzten zum Rückzug missachtet hatte. Dieser Sieg der Indianer stellte das Ende der indianischen Bemuehungen dar, sich die Freiheit in dem ihnen angestammten Land zu erhalten.

Ein weitere Veteran der Schlacht um Little Big Horn, der Hunkpapa-Haeuptling Running Antelope

In der Folge setzte sich die wesentlich besser ausgeruestete und durch endlosen Nachschub an Mensch und Material beguenstigte Armee durch. Bei Slim Buttes besiegte sie die Sioux, wobei der Minneconjou-Haeuptling American Horse getoetet wurde. 1877 wurde Crazy Horse nach seiner Kapitulation in Fort Robinson von einem Soldaten bei einem angeblichen Fluchtversuch mit dem Bajonett erstochen. Sitting Bull floh vorerst mit einer kleinen Gruppe nach Kanada, kehrte jedoch 1881 wieder in die Staaten zurück und wurde in Standing Rock interniert. Im Zuge der Geistertanzbewegung*) sollte er im Dezember 1890 verhaftet werden und wurde bei einem Gerangel von dem Indianerpolizisten Red Tomahawk erschossen. Das geschah 2 Wochen vor dem Massaker von Wounded Knee, bei dem die letzten frei lebenden Sioux unter Häuptling Big Foot, unter ihnen meist alte Männer, Frauen und Kinder, von der Armee ermordet wurden.

Getoetete Sioux nach dem Massaker in Wounded Knee

Junge Indianer bei der Wiederbelebung des Geistertanzes um 1970

*) Geistertanz: vom Paiute-Propheten Wowoka 1888 gegründtet religioese Bewegung, die auf einer Vision beruht, dass durch ekstatischen Tanz die alten Zeiten wiederkehren, die Weissen verschwinden und die Bueffel wieder die Praerien bevoelkern. Diese Bewegung wurde von den Plainsstaemmen sehr schnell uebernommen und in der Folge kam es zu Zusammenkuenften, bei denen sich die Staemme in Trance tanzten. Im Rahmen dieser Bewegung fuerchtete der Sioux-Indianeragent McLaughlin aufgrund verschiedener, ihm unverstaend-licher Vorgaenge, einen Aufstand der immerhin noch etwa 25000 Sioux und liess die Anfuehrer, darunter Sitting Bull, verhaften. Sitting Bull wurde bei dieser Aktion erschossen. Ein Teil der Geistertaenzer fluechtete in die Bad Lands, was wie oben beschrieben, endete. Der Geistertanz wurde daraufhin von der Regierung verboten (wie auch andere religioese Zeremonien, z.B. der Sonnentanz) und erst viel spaeter wieder erlaubt.

Medizinmann mit heiligem Bueffelschaedel bei der Darreichung der heiligen Pfeife an den Großen Geist

Damit war das Indianerproblem für alle Zeiten geloest. Die Ueberlebenden aller Staemme fanden sich in Reservationen wieder, in denen sie zum Grossteil heute noch leben. Die hohe Arbeitslosenrate, eine hohe Selbstmordrate und extreme Alkoholprobleme fuehren zu einer Verelendung in diesen Reservaten, die man eher aus Dritte-Welt-Laendern kennt. Die amerikanische wie auch die kanadische Regierung scheren sich recht wenig um die Probleme der Ureinwohner. Ein Lichtblick ist, dass es in vielen Stämmen eine Rueckbesinnung auf alte Werte gibt und die damit verbundene Rueckkehr des Selbst-vertrauens es vielen nativen Amerikanern ermoeglicht, wieder einen Weg zu finden, der sie aus der Krise fuehrt.

Die Badlands in South Dakota

Inzwischen haben die Staemme auch gelernt, ihre Ressourcen zu nutzen. In vielen Reservaten gibt es Spielkassinos (die in den meisten Staaten sonst verboten sind), es werden wieder Pferde gezuechtet (Blackfeet) und auch der Bison hat wieder Einzug gehalten in das Leben der Indianer (Pine Ridge Reservation).

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Die sieben Ratsfeuer der Sioux:

Mdewakanton, Sisseton, Whpeton und Wahpekute sind gemeinsam bekannt unter dem Namen Santee oder auch Dakota.

Die Yankton und Yanktonai bilden die Untergruppe der Nakota.

Die Teton, die auch als Lakota bekannt sind, gliedern sich schliesslich in die bekannten sieben Zweigstämme Blackfeet, Brulé, Hunkpapa, Minnecoujou, Oglala, Sans Arc und Two Kettle, die sich in den Indianerkriegen besonders hervorgetan haben. Viele Anführer dieser Staemme sind heute noch bekannt, wenn nicht Legende. Dazu zaehlen unter anderem Red Cloud, Sitting Bull, Crazy Horse, Gall, Spotted Tail, Rain In The Face und American Horse.

Legendaere Haeuptlinge der Plains-Indianer: Sitting Bull, Hunkpapa-Sioux - Red Cloud, Oglala-Sioux - Little Wolf und Dull Knife, Northern Cheyenne - Little Big Man, Oglala-Sioux

Gall - Kriegshaeuptling der Hunkpapa-Sioux und neben Crazy Horse der entscheidende Anfuehrer der Schlacht am Little Big Horn

Auch die Cheyenne, die zuerst Feinde der Sioux waren, sich jedoch spaeter mit diesen verbuendeten, hatten viele beruehmte Haeuptlinge und Krieger, die sich im Kampf um ihre Heimat hervortaten. Zu ihnen gehoerten unter anderen Roman Nose, Dull Knife, Little Wolf, Black Kettle und Wolf Robe.

Beruehmte Krieger der Plains-Indianer: Plenty Coups, Crow - Sharp Nose, Arapaho - Medicine Crow, Crow - Crow King, Hunkpapa-Sioux

Sitting Bull - Hunkpapa-Sioux - Visionaer vom Little Big Horn

Sitting Bull - Tatanka Yotanka - Medizinmann und Stammesfuehrer

Sitting Bull ist neben Red Cloud und Crazy Horse wohl einer der beruehmtes-ten Siouxfuehrer. Er war einer der leitenden Koepfe der Schlacht am Little Big Horn, die den grandiosesten Sieg der Indianer über die weissen Eindringlinge markiert. Tragischerweise war es jedoch auch der letzte bewaffnete Widerstand der vereinigten Plains-Staemme der Sioux und Cheyenne, denn Wounded Knee war nur ein Massaker der amerikanischen Armee an einer wehrlosen Gruppe mit vielen Frauen und Kindern. Sitting Bull wurde im Zusammenhang mit der Geistertanzbewegung von einem Stammespolizisten bei seiner Festnahme erschossen. Mit ihm starb einer der letzten großen Fuehrer des indianischen Widerstandes gegen die anbrandende weisse Flut.

Indianische Krieger: White Bull, Cheyenne-Scout - Crow Krieger - Comes Out Holy, Oglala-Sioux - Kriegergruppe der Crow

Die Pawnee - hier Haeuptlig Good Chief - waren Feinde der Sioux und Cheyenne

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Die Cheyenne

Die wahrscheinlichste Erklaerung des Namens Cheyenne ist, dass er durch eine Abwandlung der Sioux-Bezeichnung „Sha hi ye na“ was übersetzt „sie sprechen eine unverstaendliche Sprache“ bedeutet, entstanden ist. Sie selbst nennen sich Tsitsitas - das Volk. Die Cheyenne waren in ihrer Blütezeit ein typischer Vertreter der Plainskultur. Das heißt, sie lebten in Tipis und von der Bueffeljagd.

Eine Bisonherde in den Plains

Urspruenglich bestanden die Cheyenne aus drei Gruppen: Hevataniu, Omissis und Suhtai. Die Suhtai sprachen einen Dialekt, der sich von dem der anderen Cheyenne unterschied. Ende des 18. Jahrhunderts bildeten die Cheyenne und die Suhtai ein Bündnis, um 1830 wurden die Suhtai dann ein Teil der Cheyenne und ihr Dialekt ging verloren.

Bisons im Gehege des Tierparks Hellabrunn in Muenchen

Um 1820 zogen Gruppen der Cheyenne und deren Verbuendeten Arapaho allmaehlich nach Sueden, was zur Bildung der Noerdlichen und der Suedlichen Cheyenne fuehrte. Dabei kam es zu keiner strikten Trennung in zwei Staemme, sondern es gab einen staendigen Austausch und regelmaessige Kontakte zwischen den beiden Stammesgruppen. Die einzelnen Gruppen gliederten sich in Familien und Lager, deren Staerke und Bestehen im Wesentlichen von den Fuehrungsqualitaeten des jeweiligen Anfuehrers abhaengig war.

Drei Haeuptlinge der Cheyenne in den Plains 

Der Rat der Haeuptlinge war die politische Fuehrung der Cheyenne. Alle wesentlichen Fragen wurden von diesem Rat entschieden, z.B. Kriege oder Buendnisse mit anderen Staemmen. Die Entscheidungen des Rates waren sehr von der oeffentlichen Meinung abhaengig. Die Tagungen fanden waehrend der sommerlichen Stammestreffen statt, bei denen sich der Stamm gemeinsam auf die Bueffeljagd begab und waehrend denen die wichtigsten religioesen Zeremonien wie z.B. der Sonnentanz stattfanden.

Eine wichtige Rolle spielten bei den Cheyenne, wie auch bei anderen Plains-staemmen, die Kriegerbuende. Sie stellten die Krieger für den Kampf und waren gleichzeitig die Polizei des Stammes. Auch waren sie fuer die Durchsetzung der Ratsbeschluesse verantwortlich. Die meisten erwachsenen Maenner gehoerten einem Kriegerbund an. Die bekanntesten Buende waren die Wohksehhetaniu (Fuchssoldaten) und die Hotamitaniu (Dog Soldiers - Hunde-soldaten). Die Dog Soldiers waren die Verteidiger des Stammes und sie kaempften ohne Ruecksicht auf das eigene Leben gnadenlos gegen jeden Angreifer.

Cheyenne beim Sonnentanz

Die Hohnuhk’e waren eine sehr spezielle Gruppe die, durch Visionen verpflichtet, sozusagen als Clowns des Stammes auftraten, indem sie alles verkehrt machten. Wenn es kalt war, war es dem Gegenteilmann warm, er wusch sich mit Schmutz und ritt sein Pferd verkehrt herum. Die Hohnuhk'e waren sehr angesehen und trotz ihrer „Verruecktheit“ mutige und harte Kämpfer, in der Regel gab es jedoch meist nur zwei oder drei von ihnen im ganzen Stamm.

Auch die Frauen hatten verschiedenen Gesellschaften. Die Frauenbuende fuehrten beispielsweise die Verzierung von Kleidungsstuecken oder Zelten mit Stachelschweinborsten und Erdfarben aus. Eine besondere Frauenvereinigung waren die Mon in i heo (Auserwaehlten). Ihnen gehoerten aeltere Frauen an, die sich einer besonderen Initiationszeremonie unterziehen mussten. Sie fertigten besonders Arbeiten mit religioesen Symbolen, wobei die Mitgliedschaft in diesem Bund auch die Kenntnis dieser Symbole und deren Sinn und Wirkung erforderte.

Wolf Robe - einer der typischsten Vertreter der Cheyenne

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Der Gott der Cheyenne, Heammawihio, wird von ihnen als Schoepfer und Lehrer angesehen. Frueher lebte er unter den Menschen. Er brachte ihnen die Herstellung von Pfeilen und Messern und die Jagd bei. Auch zeigte er ihnen, wie man Feuer macht und Korn pflanzt um sich davon zu ernaehren. Nachdem er ihnen alles beigebracht hatte, stieg er in den Himmel auf, um von dort ueber sie zu wachen. Wenn ein Cheyenne stirbt, kommt er in den Himmel um dort mit Heammawihio zu leben. Daneben gibt es in der Erde noch einen anderen Gott, Ahk tun o' wihio. Er sorgt für das Wachstum der Pflanzen, das Wasser und den Boden. Zudem gibt es noch die Geister der vier Himmelsrichtungen, die Nivstanivoo, die den Wind wehen lassen.

Der Bear Butte - heiliger Berg der Cheyenne wie auch der Sioux, ein Platz der Visionssuche

Fools Crow - ein legendaerer spiritueller Fuehrer und Sonnentanzmann der Sioux, der am Bear Butte auf Visionssuche ging.

Die wichtigsten religioesen Zeremonien der Cheyenne waren die Erneuerung der Heiligen Pfeile, die für das Wohlergehen des ganzen Stammes von entscheidender Bedeutung waren, das Fest der Neuen Lebenshütte (der Sonnentanz) und die Massaum-Zeremonie.

Der Propheten Motseyoef (Sweet Medicine) brachte den Cheyenne die Heiligen Pfeile. Der Hueter der Heiligen Pfeile ist der wichtigste spirituelle Mann der Cheyenne. Die Heiligen Pfeile sind das Symbol für die Einheit und das Glueck des Stammes. Das Heilige Pfeilbuendel enthält vier Pfeile, je zwei für die Jagd und den Krieg.

Alte Cheyenne-Frau

Das Fest der Neuen Lebenshuette findet einmal jaehrlich im Hochsommer statt. Diese Zeremonie ist als Sonnentanz auch bei vielen anderen Indianervoelkern verbreitet. Es wird angenommen, dass diese Zeremonie mit den Cheyenne und eventuell den Arapaho nach Westen gekommen ist und von den anderen Voelkern in Abwandlungen uebernommen wurde. Das Fest der Neuen Lebenshuette wird fuer den Erhalt und die Schaffung neuen Lebens durchgefuehrt.

Ein Tipi in den Plains

Die Massaum-Zeremonie wurde von der Gesellschaft der Gegenteile durchgefuehrt. Der Name der Zeremonie kann mit Tier- oder Bueffeltanz oder auch Verrueckter Tanz uebersetzt werden und diente zur Erlangung des Jagdgluecks und auch als Heilungszeremonie. Die Massaum-Zeremonie fand ebenfalls im Sommer statt, waehrend sich der gesamte Stamm traf.

Medizinmaenner bei einer heiligen Zeremonie um 1970

Über die fruehe Geschichte der Cheyenne ist nichts bekannt. Wahrscheinlich lebten sie frueher noerdlich der Grossen Seen. Von dort zogen sie suedwaerts, wo sie als Jaeger und Wildreisernter lebten. In der Mitte des 17. Jahr-hunderts siedelten die Cheyenne am Mississippi an der Muendung des Wisconsin River. Zu dieser Zeit zogen verschiedene Gruppen der Cheyenne unter dem Druck der Assiniboins und ihrer Verbuendeten, der Cree, an den Missouri im heutigen North Dakota. Damals pflanzten die Cheyenne Mais, Bohnen und Kuerbisse. Nebenbei jagten sie auch schon Bueffel.

Erst allmaehlich kamen die Cheyenne durch den Kontakt mit franzoesischen Haendlern und ueber indianische Zwischenhaendler in den Besitz von Feuerwaffen und waren so ihren Feinden gewachsen. Zwischen 1700 und 1740 ueberschritten die ersten Gruppen der Cheyenne den Missouri und kamen im Gebiet der Black Hills in den Besitz von Pferden. Der Pferdebesitz ermoeglichte den allmaehlichen Uebergang zum Nomadentum.

Two Moons - ein typischer Cheyenne - Krieger und Haeuptling

Mit Ende des 18. Jahrhunderts lebten alle Cheyenne in Tipis. Mit den Suhtai und den verbündeten Arapaho kontrollierten sie das Gebiet um die Black Hills, das sie um 1805 unter dem Druck der Lakota aufgeben mussten. Sie zogen in das für ihre Blütezeit als Plainsindianer traditionelle Gebiet zwischen den Bighorn Mountains im Norden, dem Arkansas im Süden, den Rocky Mountains im Westen und den Black Hills im Osten.

Die allmähliche Südwanderung führte zur Trennung der Cheyenne in einen nördlichen und einen südlichen Stamm, ohne dass diese Trennung jemals sehr strikt war. 1838 verloren die Cheyenne im Kampf mit dem Pawnee ihre Heiligen Pfeile, was als großes Unglück angesehen wurde, stellten die Heiligen Pfeile doch das wichtigste Stammesheiligtum dar. Erst 1843 erhielten die Cheyenne die Heiligen Pfeile von den Lakota zurück. Diese hatten sie bei einem Überfall auf die Pawnee erbeutet. Mit der Rückgabe der Heiligen Pfeile an die Cheyenne wurde ein enges Bündnis der Lakota mit den Cheyenne und den Arapaho begründet.

Die weiße Einwanderung sorgte ab Mitte des 19. Jahrhunderts für zunehmende Konflikte zwischen den Cheyenne und den Vereinigten Staaten. Am 29.11.1864 kam es zu einem Überfall des 3. Colorado Regiments auf ein Winterlager der Südlichen Cheyenne unter Häuptling Black Kettle, das als Sand-Creek-Massaker in die Geschichte einging. Die Cheyenne hatten das Winterlager am Sand Creek aufgeschlagen, weil sie der Zusicherung glaubten, dort unter dem Schutz der US Armee zu stehen. Das Lager der Cheyenne bestand aus ca. 600 Personen, hauptsächlich Frauen und Kinder. Die meisten Männer befanden sich auf einem Jagdzug. Chivingtons Truppe war 700 Mann stark. Der Angriff fand im Morgengrauen statt. Ihm fielen rund 150 Cheyenne zum Opfer. Alle Toten wurden von den größtenteils betrunkenen Soldaten Chivingtons skalpiert und verstümmelt.

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Häuptling Dull Knife von den Northern Cheyenne

Trotz des Massakers gehörte Black Kettle zu den Häuptlingen, die im Oktober 1867 den Medicine Lodge Creek Vertrag unterzeichneten, der den Plains-stämmen Reservationen zuwies, den Südlichen Cheyenne in Oklahoma, ihnen aber zugleich das Recht gab, diese Reservationen für die Jagd zu verlassen. Diese Regelung wurde bereits 1868 von den USA für ungültig erklärt.

Am 27.1.1868 wurde erneut ein Lager Black Kettles überfallen. Diesmal war der Angreifer Lieutenant Colonel George A. Custer mit seinem Kavellerieregiment. Er tötete im Washita Massaker 100 Cheyenne, darunter Black Kettle und 800 ihrer Pferde.

Die Nördlichen Cheyenne kämpften ab 1866 an der Seite der Lakota und Nördlichen Arapaho im sogenannten Red Cloud Krieg um den Erhalt ihrer Jagdgründe. Die Verbündeten Stämme waren erfolgreich und im 2. Vertrag von Fort Laramie wurde ihnen am 6.11.1868 der Besitz ihrer Gebiete bestätigt. Die auf ihrem Territorium errichteten Forts der US Army mussten abgerissen werden.

Cheyenne Krieger

Am 9.12.1875, weniger als 10 Jahre nach dem Vertrag von Fort Laramie, wurden alle Stämme der nördlichen Plains aufgefordert, sich bis zum 31.1.1876 bei einer der Indianeragenturen zu melden, wo ihnen Reservationen zugewiesen werden sollten. Diese Aufforderung stellte einen klaren Vertragsbruch dar und auf-grund der Witterung und der Größe des Territoriums wäre eine Einhaltung des Ultimatums durch die Plainsstämme auch nicht möglich gewesen.

Am 25.6.1876 kam es am Little Bighorn River zur Schlacht zwischen Custer's 7. US Kavallerie und den verbündeten Stämmen der Lakota und Cheyenne. Custer's Truppe wurde bis auf den letzten Mann vernichtet. Nach dieser Niederlage verstärkten die USA ihre militärischen Anstrengungen und die Nördlichen Cheyenne mussten sich ergeben. Bis auf eine kleine Gruppe unter Two Moon, der es gestattet wurde, am Tongue River zu siedeln, wurden alle Nördlichen Cheyenne in das Indianerterritorium im heutigen Oklahoma deportiert, wo sie mit den Südlichen Cheyenne und den Arapaho eine Reservation teilten.

Die Crow - hier der Krieger White Bear - waren traditionell wie die Pawnee mit den Cheyenne und Sioux verfeindet

Aufgrund der ungewohnten klimatischen Verhältnisse und der schlechten Versorgung mit Lebensmitteln war die Sterblichkeit unter den Nördlichen Cheyenne außerordentlich hoch. Deshalb entschlossen sich die Häuptlinge Dull Knife und Little Wolf am 10.9.1878, die Reservation zu verlassen und sich zum Tongue River durchzuschlagen. Trotz einer groß angelegten Verfolgung durch die US Army und obwohl Dull Knife zwischenzeitlich gefangen wurde, waren sie letztendlich erfolgreich. Sie konnten auch die US-Regierung überzeugen, sie am Tongue River zu belassen. 1884 wurde die Tongue River Reservation offiziell gegründet und die restlichen Nördlichen Cheyenne aus Oklahoma umgesiedelt.

Die Südlichen Cheyenne mußten 1892 einen Teil ihres Landes an das Oklahoma Territorium abgeben und zur Besiedlung durch weiße Siedler freigeben. Seit 1936 bilden die Südlichen Cheyenne mit den Südlichen Arapaho den Cheyenne und Arapaho Stamm von Oklahoma. Heute leben etwa 3200 Nördliche Cheyenne in Montana und 5100 Südliche Cheyenne in Oklahoma.

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